Bitcoin – Hype oder Chance für Vermögende?

Die Kryptowährung Bitcoin ist in aller Munde und wird doch viel kritisiert.

 22.11.2017

Liegt die Zukunft unseres Vermögens in der Blockchain?

Die Fürsprecher der Kryptowährung Bitcoin hoffen auf eine Traumrendite oder schätzen die virtuelle Währung als diskretes, international einsetzbares Zahlungsmittel. Doch mangelnde Regulierung, hohe Volatilität und starke Illiquidität lassen nicht nur institutionelle Anleger zurückschrecken. Warum es sich trotzdem lohnt, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen? Bitcoin basiert auf der Blockchain-Technologie, die nach Ansicht vieler Experten das Internet – und mit ihm unsere Welt – dramatisch verändern könnte.

Blockchain – nicht nur Basis von Bitcoin

Mit der Blockchain-Technologie lassen sich Informationen ausgesprochen sicher und anonym im Internet speichern. Dafür wird jede Information individuell verschlüsselt und dann als neuer „Block“ in ein Register aufgenommen. Wie in einer Kette („Chain“) sind diese verschlüsselten Informationsblöcke im Register aneinandergereiht – deshalb „Blockchain“.

Für eine besonders starke Verbindung der Blöcke sorgt ein kluger Mechanismus: Jeder Block enthält nicht nur die eigentlichen Informationen; er wird auch mit einer Referenz zum vorherigen Block versehen. Diese Referenz sorgt dafür, dass mit jeder Erweiterung der Blockchain um einen neuen Block gleichzeitig auch die Korrektheit aller Daten auf der Blockchain überprüft wird.

Bitcoin nutzt als Kryptowährung eine eigene Blockchain. Das bedeutet, die Bitcoin-Transaktionen eines bestimmten Zeitraums werden in einem Block zusammengefasst und, mit einer Referenz zum vorherigen Block versehen, in dieser Blockchain abgespeichert. Darin können aber auch andere Informationen gespeichert werden. Für viele Beobachter ist die Popularität der Kryptowährung ein Garant dafür, dass der Bestand der Bitcoin-Blockchain für einen langen Zeitraum gesichert ist.

Auf Dauer sicher

Das Register ist öffentlich im Internet zugänglich und wird dezentral auf Servern, den sogenannten Nodes, weltweit gespeichert. Wird ein neuer Informations-Block auf einem bestimmten Server hinzugefügt, so wird dementsprechend das Register auf allen anderen Blockchain-Servern aktualisiert. Wie bereits beschrieben sorgen Überprüfungsmechanismen dafür, dass alle Daten auf allen Nodes bei jedem Kopiervorgang tatsächlich korrekt sind. Da auf allen Nodes die gesamte Blockchain gespeichert wird, ist es praktisch unmöglich, eine Information zu ändern oder zu löschen, sobald sie einmal Teil der Blockchain wurde. Tatsächlich zeigt sich das System seit seiner Entstehung 2008 als äusserst robust gegenüber Manipulationen: 2010 wurde eine Schwachstelle betrügerisch ausgenutzt. Nach der Optimierung des Blockchain-Protokolls kam es zu keinen weiteren Problemen.

Wie komme ich wieder an meine Daten?

Wer auf seine Informationen auf der Blockchain zugreifen will benötigt dreierlei: den Code, der bei der Verschlüsselung der Information generiert wurde, Informationen über den Speicherort der Information in der Blockchain und einen Zugang zum Node der Blockchain. Für die beiden ersten genügen Stift und Papier. Der Zugang zum Node geschieht gewöhnlich über einen Client. Dies ist eine Software oder App, die auf Computer oder Smartphone installiert wird. Manch Client verfügt stattdessen über ein Web-Interface, das mit jedem Internet-Browser aufgerufen werden kann. Es gibt aber auch Anwendungen, die alle Informationen gemeinsam verwalten. Dies ist besonders bequem, stellt aber ein gewisses Risiko dar.

Innovationstreiber in der Blockchain: „Smart Contracts“

Das Potential der Blockchain-Technologie wird aber erst offensichtlich, wenn in der Blockchain nicht einfach „statische“ Informationen (Fotos, Textdokumente, …) abgespeichert werden, sondern Daten mit einer gewissen Intelligenz. Dann spricht man von „Smart Contracts“ – also intelligenten Verträgen. In diese wird eine Mechanik programmiert, die zum Beispiel für die Durchführung einer Transaktion sorgt, sobald eine Zahlung in einer bestimmten Höhe eingegangen ist. Es sind aber auch komplexere Mechaniken denkbar: So kann ein Smart Contract überwachen, ob die Abmachungen tatsächlich eingehalten werden und gemäss Vertrag dann Zahlungen ausführen oder zurückhalten. Diese Automatismen können letztlich auch Sanktionen durchsetzen, falls ein Vertragspartner gegen eine vertragliche Abmachung verstösst.

IBM und Maersk nutzen die Blockchain zur Digitalisierung von Verwaltungsprozessen.

Ausgestattet mit derlei Fähigkeiten können Smart Contracts selbst komplexe vertragliche Abmachungen innerhalb der Blockchain abbilden und umsetzen, ganz ohne Einbindung eines Mittelsmannes. Damit wird die Blockchain für alle diejenigen interessant, die global Geschäfte tätigen. Die Reederei Maersk nutzt zum Beispiel Blockchain zur effizienteren Abwicklung der Verwaltungsprozesse rund um das Verschiffen von Containern.

Blockchain: Revolution im Finanzwesen?

Mit der Blockchain-Technologie lässt sich Vermögen binnen einiger Minuten transferieren – ohne jeglichen Mittelsmann, bei moderaten Gebühren. Damit rückt Blockchain als Konkurrenz gerade für die traditionellen Banken in den Fokus, die sich hauptsächlich als Transaktionsdienstleister verstehen. Smart Contracts haben darüber hinaus das Potential, selbst komplexere Vermögensverhältnisse in der Blockchain abzubilden und so zukünftig eine tragende Rolle im Wealth Management zu spielen. Was bisher fehlt sind Werkzeuge, die als verlässliches Verbindungsstück zwischen digitaler Blockchain und realer Welt agieren.

Vermögende sollten die Entwicklung der Technologie und der darauf basierenden Services aufgrund des unbestrittenen Potentials aufmerksam verfolgen. Wer von neuen Anwendungen erfährt, der sollte insbesondere folgende Punkte genauer betrachten, damit der Schritt in die neue digitale Zukunft gelingt:

Hinterfragen Sie die Vertrauenswürdigkeit digitaler Tools

In der Blockchain wird Vertrauen durch das Dechiffrieren und vielfache Überprüfen bestimmter Zeichencodes hergestellt. Diese Mechanik gilt nach mehrjähriger Verwendung als ausgesprochen sicher und robust. Zwischen Blockchain und User steht aber immer auch eine technische Lösung, zum Beispiel eine App oder Webanwendung. Sie übersetzt die Daten in für uns verwertbare Informationen. Im Gegensatz zur Blockchain selbst, können diese technischen „Mittelsmänner“ unsicherer sein. Eine derartige Anwendung, digitale Wallets zur Verwaltung von Kryptowährungen, war bereits im Visier von Hackern. Die Sicherheit einer Blockchain-Anwendung sollten Sie deshalb auch an der Solidität des Tools messen, das zwischen Ihnen und der Blockchain „vermittelt“. Ist der Anbieter vertrauenswürdig? Hat er bereits ähnliche Produkte erfolgreich realisiert? Bürgen anerkannte Zertifikate für besondere Sicherheit? Diskutieren Sie dies gegebenenfalls mit Ihrem Wealth Manager.

Engagieren Sie einen (digitalen) Trustee

Wer unabhängig von anderen komplexe Transaktionen, Verträge und ähnliche Abmachungen realisieren kann, geniesst ein höheres Mass an Autonomie – und übernimmt im selben Moment ein hohes Mass an Verantwortung für sein eigenes Tun. Bevor Sie alleine weitreichende Verpflichtungen eingehen, sollten Sie sich Fragen wie die folgenden stellen: Wer übernimmt die Due Diligence? Wer regelt im Streitfall einen Vergleich? Smart Contracts können das eine oder andere zwar adressieren. Anderes sollten Sie womöglich besser mit einem Berater diskutieren, der Sie und Ihre Situation kennt, und der in strittigen Situationen für Sie sprechen kann.

Stellen Sie die Nachhaltigkeit der technologischen Lösungen in Frage

Viele digitale Technologien haben eine kurze Halbwertszeit. Für einen Einsatz in Bereichen, die über Generationen hinweg denken sind aber nur Lösungen geeignet, die langfristig verfügbar sind. Wer wichtige Elemente für die grundlegenden Vermögensverhältnisse einer Familie oder eine Nachfolgeregelung digital organisieren will, sollte auch technologisch langfristig planen. Eine Möglichkeit dieser Gefahr zu begegnen ist die mehrfache Speicherung ein und derselben Informationen auf unabhängigen Systemen – zum Beispiel in zwei unterschiedlichen Blockchains.

Das Gesetz des Dschungels wird nicht Bestand haben

Wer Blockchain aufgrund fehlender Regulierung und dem hohen Mass an Vertraulichkeit bisher für Aktivitäten im Graubereich der Legalität nutzte, könnte ein böses Erwachen finden: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich Finanzbehörden der Regulierung der Blockchain annehmen. Ausserdem sollte niemand vergessen, dass in der Blockchain befindliche Informationen nicht einfach gelöscht werden können. Auch hier ist es klug, sich an die Spielregeln zu halten, um weder sich noch sein Vermögen unverhältnismässigen Risiken auszusetzen.

Fazit

Niemand sollte sich vom Hype um Bitcoin blenden lassen: Die Popularität von Kryptowährungen wie dieser beweist die Leistungsfähigkeit der dahinterstehenden Blockchain-Technologie. Je nach Entwicklung von Infrastruktur und Anwendungen könnten Vermögende auf Blockchain-Basis zukünftig nicht nur Bankgeschäfte abwickeln, sondern auch komplexe Vermögensfragen regeln. Damit all dies verantwortungsvoll, im Interesse des Vermögenden und seiner Familie geschieht wird aber auch in Zukunft wichtig sein, einen vertrauenswürdigen und vorausblickenden Berater an seiner Seite zu wissen.

Photo courtesy of IBM.

Posted on 22.11.2017 by Tilmann Schaal

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