Mobilität in unsicheren Zeiten

Die Entwicklung einer kohärenten Mobilitätsstrategie für eine ganze Familie birgt viele Herausforderungen, die weit über die Frage nach einem zweiten Reisepass hinausgehen.

Geschäftsreisen und private Reisen, etwa um Verwandte zu besuchen, für Arzttermine oder Operationen im Ausland oder einfach zu touristischen Zwecken können zum puren Luxus werden. Die Pandemie hat uns deutlich vor Augen geführt, dass das Thema Mobilität aber auch noch ganz andere Bereiche berührt: Die gesamte Vermögens- und Nachfolgeplanung. Dabei ist jedoch die wichtigste Erkenntnis, dass diese Themen untrennbar mit der Existenz und Sicherheit unserer Familien verbunden sind.

Unabhängig von der Pandemie war und ist die Gesetzgebung vieler Länder seit geraumer Zeit explizit darauf ausgerichtet, die individuelle Mobilität ihrer Bürger zu beschränken und Familien so die Möglichkeiten in ein anderes Land zu verreisen oder umzuziehen zu erschweren oder gar zu nehmen. Daher überrascht es, dass sich Gespräche zu Fragen des Wohnsitzes, der Staatsangehörigkeit, zu rechtlichen Risiken und der Möglichkeiten zu reisen oder in ein anderes Land zu ziehen vor der Pandemie häufig vorwiegend um finanzpolitische Rahmenbedingungen (vor allem Steuersätze), Grundstückspreise und die Kosten (und die Verfügbarkeit) von Visa drehten.

Besonders heute stellt sich daher die Frage: Was ist zu tun, um ein Leben in Frieden und Sicherheit zu führen und gleichzeitig weltweit mobil zu werden oder zu bleiben, das Vermögen zu schützen und einfach das Wohlergehen der Familie in persönlicher und wirtschaftlicher Hinsicht sicherzustellen?

Die Antwort auf diese Frage ist genauso komplex, wie die der Antwort zugrunde liegenden politischen, rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen, die sich auch noch ständig und schnell ändern.

stehen gemeinsam für jahrzehntelange Erfahrung in der Vermögensplanung und in der Entwicklung internationaler Mobilitätsstrategien. Sie haben sich dieser Frage in einem Interview gestellt.

(Den Originalwortlaut der Diskussion in englischer Sprache finden Sie hier – nachstehend die deutsche Übersetzung.)

"Sie sollten mit der Frage beginnen: Wo will ich leben, geschäftlich tätig sein und meine Zeit verbringen?"

Stefan Liniger, Chief Executive

Wie hat sich 2020 unser Blick auf die persönliche Mobilität und den Wohnsitz verändert?

Philip Marcovici: Die aussergewöhnlichen Ereignisse des vergangenen Jahres haben zum Vorschein gebracht, wie schnell sich unsere Möglichkeit, zu reisen, ändern kann. Und wie schnell es passieren kann, dass wir plötzlich am falschen Ort «festsitzen».

Obwohl natürlich niemand die Pandemie vorhergesehen hat, zeigt sie uns doch, wie wichtig es ist, in solchen Zeiten einen Plan B zu haben.

Stefan Liniger: Überdies kamen vergangenes Jahr auch Spannungen auf politischer Ebene zum Vorschein, die sich nicht nur im internationalen Geschäftsverkehr bemerkbar machen, sondern auch mit Bezug auf die Vermögens- und Nachlassplanung vermögender Familien und Unternehmer vieles in Frage stellen sowie ein Umdenken erfordern.

Hinzu kommt, dass die Pandemie uns letztlich daran erinnerte, wie verletzlich wir im Grunde sind, und zu einem Handlungsdruck rund um Wohlstand, Gesundheit und sonstiger Planung führte.

 

Warum ist es so wichtig, Aufenthalts- und Staatsbürgerschaftsstrategien mit der Vermögensplanung abzustimmen?

Stefan Liniger: Will man im Ausland leben und tätig sein, ist globale Mobilität unerlässlich.

Und damit diese funktioniert, sollten Familien (und ihre Berater) die regulatorischen, steuerlichen und rechtlichen Auswirkungen ihrer Mobilität genau untersuchen. Ausserdem sollten sie sich darauf vorbereiten, Finanzströme und vorhandene Planungen anzupassen und neu zu strukturieren.

Möglicherweise ist es auch notwendig, immer zu wissen, wo sich die Mitglieder Ihrer Familie aufhalten. Ein Beispiel: Vielleicht müssen Sie sicherstellen, dass Sie nicht zu lange an einem bestimmten Ort bleiben.

Daher sollten Sie mit der Frage beginnen: Wo will ich leben, geschäftlich tätig sein und meine Zeit verbringen? Wenn Sie das beantwortet haben, können Sie an die praktische Planung gehen.

Philip Marcovici: Wenn Familienmitglieder ermuntert werden «heimzukommen», rührt das häufig daher, dass die Familie nicht zu schätzen weiss, welche Stärke eine Vielfalt von Wohnsitzen, Staatsbürgerschaften und Eigentumsverhältnissen mit sich bringen kann.

Man muss schliesslich nur einen Blick auf die Geschichte werfen. Dann sieht man, dass Familien, die Herausforderungen durch Enteignung und politischen Aufruhr anderer Art nicht aktiv angingen, massive persönliche und ökonomische Verluste erlitten – nicht selten unvermittelt und dramatisch.

Wie bei jeder Vermögensplanung sollte man meines Erachtens immer das Beste erhoffen, aber auf das Schlimmste gefasst sein.

Heute stehen uns noch viele Möglichkeiten der Planung zur Verfügung, die wir nach meiner festen Überzeugung künftig nicht mehr haben werden. Denken Sie beispielsweise daran, wie viele Länder derzeit über eine Verschärfung der Handelsbeschränkungen und Wegzugsteuern nachdenken.

 

"Komplexe Situationen können durchaus Ihr Freund sein, solange man Ihnen zeigt, wie Sie sie managen und ‹zähmen› können."

Philip Marcovici, Mitglied des Verwaltungsrats

Aber führen mehr Jurisdiktionen nicht unweigerlich zu höherer Komplexität?

Philip Marcovici: Ja und nein. Das Leben ist zwangsläufig komplex, aber wenn man die politischen und wirtschaftlichen Risiken minimiert und diversifiziert, rettet man vielleicht langfristig seine Familie und sein Vermögen.

Man versäumt dabei zu oft, diese Komplexität für sich zu nutzen; denn komplexe Situationen können durchaus Vorteile bieten, wenn man damit gut umzugehen weiss.

Unabdingbar ist dabei, dass sich alle Familienmitglieder auf die Rolle vorbereiten, die sie jeweils beim Schutz des Familienvermögens spielen.

Es gibt bilaterale Investitionsschutzvereinbarungen, die für den Schutz von Vermögenswerten ganz entscheidend sein können. Dazu muss man aber anmerken, dass wir mit herkömmlichen Planungsinstrumenten möglicherweise keinen Zugang dazu haben werden.

Stefan Liniger: Die Planung kann von der technischen Seite her einem Puzzle gleichen – und zwar einem Puzzle, dessen Puzzleteile sich kontinuierlich verändern und verschieben.

Deshalb helfen Standardlösungen hier nicht mehr weiter. Ihre Rechts- und Nachfolgeplanung sollte Ihren eigenen Zwecken dienen, nicht denen des Dienstleisters.

Ihre Planung sollte Ihr Geschäft, Ihre Investition und Ihre familiären Bedürfnisse abbilden (und ausbalancieren) – und sowohl sachliche wie menschliche Aspekte berücksichtigen.

 

Welche Fragen werden im Hinblick auf Wohnsitz und Staatsbürgerschaft häufig übersehen?

Benedikt Kaiser: Bei globaler Freizügigkeit geht es ja nicht nur um die Mobilität der Menschen, sondern auch der Vermögenswerte.

Meist konzentrieren sich Berater allein auf die persönliche Mobilität und übersehen dabei enorme Probleme im Hinblick auf Vermögenswerte der Familie. Ein Beispiel: Diversifizierung und Schutz des Familienvermögens sowie Transfers und Strukturierung des Eigentums.

Aber das ist noch lange nicht alles. Gesellschaftliche und politische Akzeptanz, körperliche und psychische Gesundheit, Wohltätigkeit, das Risiko von Rechtsstreitigkeiten und Scheidung: All diese Punkte sollten berücksichtigt werden.

Philip Marcovici: Zudem sind ja nicht nur Familien betroffen, die mehrere Generationen umfassen.

Wer Vermögen in der ersten Generation aufbaut, sollte innovativ planen, aber auch aus der Geschichte lernen. Dies ist insbesondere angesichts der geringeren Diversifizierung und der normalerweise höheren Risiken verschiedener Art von Bedeutung.

Nicht nur, wer mit den Märkten der Schwellenländer zu tun hat, muss wissen, welche Risiken es gibt.

Für die durch die Pandemie entstandenen Kosten werden Staaten rund um die Welt aufkommen müssen, und das vor dem Hintergrund, dass das Problem des Wohlstands und der Ungleichheit angegangen werden muss. Und in einer Welt, in der solche Themen, leider, allzu gerne von Populisten beansprucht werden, haben diese häufig nicht das Interesse der Vermögenden (oder auch der Bedürftigen) im Sinn.

 

Mobilität in unsicheren Zeiten

Wie gehen Sie bei Kundenanfragen in Bezug auf die strategische Planung von Wohnsitznahme und den Erwerb von einer Staatsbürgerschaft vor?

Stefan Liniger: Das Vorgehen muss ganz auf den Bedarf Ihrer Familie und deren Mitglieder zugeschnitten sein.

Unserer Überzeugung nach muss die Frage nach den grössten und strategisch wichtigsten Fragen im Leben ganzheitlich angegangen werden. Wir nennen das den Kaiser Partner Wealth Table: Ihr Netzwerk aus handverlesenen Spezialisten und Experten.

Für viele Ihrer Fragen haben wir Experten im Hause. Für andere können wir auf ein mit grosser Sorgfalt aufgebautes Netzwerk von Spezialisten aller möglichen Fachgebiete zurückgreifen und so abgestimmt auf Ihre Bedürfnisse und Herausforderungen und die Ihrer Familie reagieren.

Ist Ihr Wealth Table einmal zusammengestellt, sind wir jederzeit für Sie da und koordinieren ihn. Gemeinsam lernen wir, entwickeln uns weiter und schaffen Synergien. Und vor allem stellen wir mit allen Kräften sicher, dass die Mitglieder der Familie sich über ihre eigenen Vermögensschutz- und Nachfolgestrukturen im Klaren sind.

Letztendlich brauchen alle Berater, aber entscheidend ist doch, dass die Familie nicht abhängig von ihnen wird.

Benedikt Kaiser: Unabhängig davon, welchen Ansatz Sie verfolgen: Wichtig ist die Erkenntnis, dass Mobilitätsplanung viel mehr bedeutet, als einen zweiten Reisepass zu beantragen. Dem entsprechend ist auch ein Umzug keine 100-prozentige Lösung.

Stellt man sich den Planungsprozess einmal als Weltkarte vor, dann erscheint er als äusserst strategisch und taktisch greifbar. Aber stattdessen ähnelt er eher einem Schachspiel. Es gilt, ein Spiel zu gewinnen, aber dazu muss man manchmal auch etwas opfern.

Wir kennen viele, die in die Falle von Beratern getappt sind, die eigentlich nur Pässe verkaufen. Das ist nicht, was eine ganzheitliche Beratung in Sachen Mobilitätsplanung ausmacht.

 

"Der Planungsprozess ähnelt einem Schachspiel. Es gilt, ein Spiel zu gewinnen, aber dazu muss man manchmal auch etwas opfern. "

Benedikt Kaiser, Mitglied der Geschäftsleitung

Eine letzte Frage: Bringt ein Umzug nicht eine ganze Menge organisatorischen und bürokratischen Aufwand mit sich?

Benedikt Kaiser: Ein Umzug oder die Einrichtung eines zweiten Wohnsitzes kann durchaus herausfordernd sein – besonders für eine Familie oder einen Unternehmer mit beträchtlichen Vermögenswerten.

Als etabliertes Multi-Client-Family-Office können wir Sie auf dem gesamten Weg begleiten.

Wir beraten Sie nicht nur in diesen Angelegenheiten, sondern unterstützen auch bei der Umsetzung der Beratung in die Tat. Unser engagiertes Team hilft Ihnen zum Beispiel bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie, bei der Erkundigung nach exzellenten Schulen und Universitäten, bei Aufbau und Erhalt Ihrer Oldtimer- oder Kunstsammlung sowie bei der rechtlichen Beratung zu Ihrem Status.

 

Kontaktieren Sie uns und erfahren Sie Näheres über Mobilität, Wohnsitz und Staatsbürgerschaft (und wie diese sich auf Ihre Vermögensplanung auswirken).

 

Cornelia Kopf Als Redakteurin von Perspectives ist Cornelia Kopf stets auf der Suche nach einzigartigen Einblicken in die herausfordernden Aspekte des Lebens und Vermögens. Inspirierende Geschichten aufzustöbern und zu erzählen ist ihre erklärte Leidenschaft.

Perspectives

Leben wir in einer komplexen Welt oder in einer Welt voller Möglichkeiten? Die Antwort hängt vom Standpunkt ab. Mit unserem Blog Perspectives und unserer Serie Insights präsentieren wir spannende Perspektiven rund um das Thema Vermögen.

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