Rohrpost für Menschen

Wie schafft es ein CEO aus der Transportindustrie, dass er als einer der führenden Köpfe in Sachen digitale Zukunft wahrgenommen wird? Indem er eine faszinierenden Vision mit revolutionäre Technologie auf innovative Weise umsetzt und digitale Technologie dabei eine Schlüsselrolle einnimmt.

Dirk Ahlborn entwickelt als CEO von Hyperloop Transportation Techologies (HTT) eine ultraschnelle Rohrpost. Mit ihr sollen Menschen mit bis zu 1200 Kilometer pro Stunde reisen können. Die Welt als globales Dorf – zum Greifen nah. Die digitale Elite applaudiert, doch Zweifler glauben kaum, dass sich das neue Transportmittel tatsächlich rechnet.

Klaus Rathje hat für digtator.de mit Dirk Ahlborn gesprochen.

Frage: Dirk, dein neuer Super-Zug sieht recht futuristisch aus …

Dirk Ahlborn: … aber technisch gesehen ist es eigentlich gar nicht so schwer. Stell’ dir vor, du nimmst einen normalen Zug, packst ihn in eine Röhre und saugst die Luft aus dieser Röhre heraus. Dann kann der Zug jetzt viel schneller mit viel weniger Energie fahren – man spricht ja nicht umsonst vom „Luftwiderstand“. Der Antrieb selbst erfolgt elektromagnetisch. Das geht in der Theorie schon seit Jahrzehnten. im 19. Jahrhundert gab es eine Firma, die eine pneumatische U-Bahn in den USA bauen wollte, was damals natürlich gescheitert ist. Auch später gab es noch einige Ansätze, von denen viele an lokalen Faktoren gescheitert sind. Wir arbeiten nun an einem optimierten Konzept, das kompakt ist, einfach zu bauen und somit profitabel wäre.

Frage: Die Ur-Idee zu Hyperloop kam vom Tesla-Chef Elon Musk. Wie bist du darüber gestolpert?

Dirk Ahlborn: Ich habe damals für eine Plattform gearbeitet, die Unternehmern die Möglichkeit gibt, Mitarbeiter zu finden, die so leidenschaftlich sind wie sie selbst. Wir nutzen das Internet ja für alles Mögliche: zum Einkaufen, um Freunde zu finden oder den richtigen Partner. Man kann sich sogar scheiden lassen übers Internet. Uns ging es darum, Gleichgesinnte zu finden für innovative Projekte. So kam ich zu Elon Musk, der dort sein Hyperloop-Konzept vorgestellt hat, aber gleich sagte, dass er selbst keine Zeit dafür haben würde.

Frage: Und dann habt ihr das passende Personal gefunden?

Dirk Ahlborn: Wir haben ihm ein Team aus 100 Ingenieuren zusammengestellt, die dann eine Machbarkeitsstudie erarbeitet haben. Das war im Dezember 2014. Mittlerweile sind wir mehr als 500 Leute, die aktiv mitarbeiten, plus 20 bis 30 Firmen. Dann gibt es noch eine weltweite Unterstützer-Community mit gut 20.000 Mitgliedern.

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Frage: Du hast ein internationales Team zusammengestellt, auch MIT-Studenten entwickeln Teile des Hyperloops.

Dirk Ahlborn: Die MIT-Studenten haben bei einer Open Source Competition für ihre Versuchskapsel die Entwicklung des Top-Segments gewonnen. Generell ist kollektive Brainpower viel wichtiger als Crowdfunding, also Geld. Ich habe lieber einen Top-Wissenschaftler von der NASA für zehn Stunden pro Woche als einen durchschnittlichen für Vollzeit. Und das machen wir eben durchgehend, was sehr gut funktioniert. Die Leute sind auf der ganzen Welt verteilt, bringen sich jeweils mit ein paar Arbeitsstunden ins Projekt ein gegen Stock Options. Sie sind sehr motiviert, weil es ihnen wirklich um die Sache geht

Frage: Jetzt habt ihr ausgerechnet mit der Slowakei ein Land gefunden, das mit Hyperloop kooperieren möchte für eine Teststrecke.

Dirk Ahlborn: Ja, es gibt eine Vereinbarung mit der Slowakei. Im nächsten Schritt untersuchen wir, wo diese Teststrecke am besten hinpassen und was es kosten würde. Weltweit verhandeln wir mit 20 Städtepaaren, die interessiert sind an einer schnellen Verbindung mit dem Hyperloop.

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Frage: Rein technisch scheint es ja möglich zu sein, aber es stehen teilweise absurd hohe Umsetzungskosten im Raum.

Dirk Ahlborn: Von den Gesamtkosten her liegen wir viel niedriger als ein normaler Schnellzug. Aber das wichtigste ist, dass wir ein Geschäftsmodell haben, das die Investition wieder reinholen wird. Wir wollen Reisen zu einem Erlebnis machen, das perfekt auf den Kunden abgestimmt ist. Auch mit dem Einsatz von Big-Data-Technologien. Wir könnten beispielsweise personalisierte Werbung integrieren.

Das eigentliche Problem, das wir im öffentlichen Verkehr haben, sieht so aus, dass es praktisch keine Bahngesellschaft, keine U-Bahn gibt, die Gewinne erwirtschaftet. Diese Gesellschaften sind von öffentlichen Geldern abhängig. Bei uns ist das anders. Wir produzieren mehr alternative Energie als wir nutzen. Etwa 60 Prozent der Energie, die wir für den Antrieb brauchen, holen wir beim Bremsen wieder zurück. Mit der Kombination aus Solar-, Wind- und kinetischer Energie kommt dann tatsächlich ein Überschuss zustande.

Frage: Aber ist denn die Personenbeförderung im Alltag überhaupt noch ein Zukunftsmarkt? Leute wie Richard Branson prophezeien doch, dass es irgendwann keine Büros mehr geben wird, weil man ja digital miteinander arbeiten kann. Macht das den Hyperloop nicht überflüssig?

Dirk Ahlborn: Ich denke, die Arbeitswelt wird sich eher dahingehend verändern, dass einzelne Leute nicht mehr nur für eine Firma arbeiten werden, sondern für mehrere. Schon mit der Einführung des Laptops hat man prophezeit, dass man bald keiner mehr ein Büro brauchen würde. Das ist ja dann auch nicht passiert. Der Mensch der Zukunft wird sich schon noch von A nach B bewegen müssen und wollen.

Frage: Nehmen wir an, die ganze Welt würde auf Hyperloop setzen als Standardtransportmittel. Was wären die Folgen?

Dirk Ahlborn: Ich würde es vielleicht mit der Eisenbahn damals vergleichen, die die Welt eineinhalb Jahrhunderten extrem verändert hat. Durch seine deutlich höhere Geschwindigkeit erlaubt es der Hyperloop, in einer Stadt zu wohnen und in einer ganz anderen, weit entfernten Stadt zu arbeiten. Oder man lebt auf dem Land, wäre aber innerhalb von zehn Minuten im Stadtzentrum. In 25 Minuten wärst du von Berlin in Köln. Und in nochmal 20 Minuten wärst du in Paris.

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Frage: Das Wort „Fernbeziehung“ würde sich ebenfalls sehr relativieren.

Dirk Ahlborn: Absolut. Momentan treffen wir immer noch viele Entscheidung abhängig von unserem Wohnort. Das betrifft die Arbeit, mit wem wir ausgehen. Wenn der andere mehr als zwei Stunden weit weg wohnt, ist das schon ein Problem. Der Hyperloop wird sicherlich Paare und Familien näher zusammenbringen. Was einige als Vorteil sehen werden, manche vielleicht auch als Nachteil. Ein Freund sagte mir letztens: Bau’ den Hyperloop lieber nicht, sonst muss ich meine Mutter jeden Tag zum Mittagessen besuchen.

Frage: Diese mehr als 1.000 Kilometer pro Stunde Reisegeschwindigkeit – mir ist schon klar, dass ein Flugzeug in der Luft auch so schnell unterwegs ist, aber macht sich diese Geschwindigkeit am Boden nicht anders bemerkbar?

Dirk Ahlborn: Nein, was man merkt, ist natürlich die Beschleunigung und das Bremsen, aber der Hyperloop würde ja nicht sofort losschießen wie eine Rakete. Der Druck wird auf 1 G begrenzt. So einen Druck hast du auch schon mal in einem durchschnittlichen Auto bei der Beschleunigung erlebt. Bei einem Sportwagen liegt die Belastung schon mal doppelt so hoch. Also, 1 G ist sehr komfortabel für den menschlichen Körper.

Frage: Hält man dich eigentlich manchmal für verrückt, wenn du dieses Konzept vorstellst?

Dirk Ahlborn: Es geht ja gar nicht um mich. Ich bin nur die Person, die vorne dransteht. Wir sind eine Community aus Experten, die bei Apple, Boeing, Tesla, der NASA oder Disney arbeiten oder gearbeitet haben. Es geht vorwärts und die Anzahl der Leute, die uns für verrückt halten, nimmt stetig ab.

Frage: Hast du selbst Angst, dass der Hyperloop Wirklichkeit wird und die Welt verändern würde?

Dirk Ahlborn: Nein, ich denke ja, dass er die Welt zum besseren verändern würde. Ich bin momentan sehr viel unterwegs, gerade auch im Flugzeug. Also, ich kann’s kaum erwarten.

Die Originalversion dieses Artikels wurde im internationalen Medienmagazin “Digtator” veröffentlicht, einem Medienangebot der Münchner Content Marketing Agentur grasundsterne.

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